Können Sie sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die ihr Kind zur Adoption freigeben, weil es eine Brille braucht oder eine Zahnspange? Möchten Sie sich vorstellen, wie es wäre, wenn Ihre Kinder Sie im Alter ins Heim geben, weil Sie kein Holz mehr spalten können? Klingt alles sehr weit hergeholt? Ja, – und doch ist es genau das Gleiche, wenn man einen Hund, der neun Jahre lang in einer Familie leben durfte, der (angeblich) geliebt wurde und immer jedermanns Liebling war, ins Tierheim gibt, weil er Augentropfen braucht. Als Nora von einem befreundeten Tierschützer in die ArcoNatura gebracht wurde, war das freundliche und verschmuste Yorkshire-Mädchen mit der lustigen Knubbelnase in einem sehr schlechten Zustand. Verklebtes Fell, sie war abgemagert und vor allem ihre Augen waren hochgradig entzündet. Der Freund unserer spanischen Partner erzählte, dass Noras Familie ihm den kleinen Fellknäuel überlassen hätte, nach den Angaben der gleichgültigen Zweibeiner hätten sie keine Zeit mehr für sie, er vermute aber, dass sie einfach keine Lust hatten, Noras Augenleiden behandeln zu lassen – in Spanien ist ein neuer (noch nicht kaputter, junger) Hund oft viel leichter und billiger zu bekommen. Also wurde die niedliche Hundedame entsorgt wie ein abgetragenes Kleidungsstück.Selbstverständlich wurde Nora sofort tierärztlich untersucht und man stellte fest, dass sie unter einer KSC leidet (nein, das hat nichts mit Fußball zu tun, sondern steht für Keratoconjunctivitis sicca), was nichts anderes bedeutet als „trockene Augen“. Nora ist nicht in der Lage, selbst genug Tränenflüssigkeit zu produzieren und deswegen hatte sie immer ein Fremdkörpergefühl, und natürlich kratzte sie sich ununterbrochen (was auch die kahle Stelle auf der Nase erklärt). Beides ist nun aber kein Thema mehr, denn selbstverständlich bekommt Nora auf ihrer Pflegestelle Augentropfen, und kann schon wieder richtig entspannt in die Welt strahlen.Nora wird ihr ganzes Leben diese Behandlung brauchen, aber das bedeutet wirklich kaum Aufwand (noch dazu lässt sich die liebenswerte Hundedame alles klaglos gefallen) und es kostet auch nicht die Welt.Nora wurde wegen einem Kinkerlitzchen verlassen und wartet jetzt darauf, ob man auch mit neun Jahren (Stand 01/2017) noch einmal eine Chance auf ein tolles Zuhause bekommt.Nun, ich habe 2016 erlebt, wie Menschen eine elf Jahre alte Herdenschutzhündin adoptierten, nur damit sie nicht im Tierheim sterben muss, da sollte eine freundliche, ausgeglichene, kleine Knutschkugel im allerbesten Terrieralter wie Nora doch keine Probleme haben, eine gemütliche Couch zu erobern? Bitte lassen Sie uns auch hier wieder eins unserer Vermittlungswunder(chen) erleben und schenken Sie Nora einen schönen Herbst ihres nun endlich wieder schmerzfreien Lebens!