Immer wieder werden wir gefragt, wieso wir so strenge Vorkontrollen machen, bevor wir einen Hund vermitteln, wieso ein Fragebogen notwendig ist, wieso es eine Schutzgebühr und einen Vertrag gibt, wir müssten doch eigentlich einfach froh sein, wenn einer weniger im Tierheim sitzt. Aber so leicht darf man es sich nicht machen, die Verantwortung für ein Leben reicht weiter als bis zum Ausgang des Zwingers und wir wollen nicht, dass unsere Schützlinge immer wieder Verlust und Ablehnung erfahren müssen. In Spanien sind die Adoptionspraktiken leider etwas anders, und auch Marley musste dies am eigenen Leib erfahren. Obwohl Marley als Chihuahua-Mix und Mini-Hundchen mit inzwischen sieben Monaten Lebensalter (Stand 08/2015) ein niedlicher Begleiter ist, war er anscheinend doch noch süßer, als er ein Welpe war. Seine Ex-Halter adoptierten ihn, als er wenige Wochen alt war und mit seinen großen Augen wohl einen Hormonschub bei seiner ehemaligen Besitzerin auslöste. Niemand fragte, wie man sich denn ein Leben mit Hund so vorstellte, niemand interessierte sich für die kommenden Jahre – und so kam es, wie es kommen musste. Auch wenn Hunde nicht ins Unermessliche wachsen, werden sie doch irgendwann selbständiger, pubertieren, wollen erzogen und geführt werden – und passiert das nicht, werden sie zu kleinen Alleinherrschern im Haus. Die einfachste Lösung für Menschen, die ihren Vierbeiner als Accessoire und nicht als Familienmitglied betrachten, ist dann oft, ihn zurück ins Tierheim zu geben, wo die verstörte Fellnase dann die Welt nicht mehr versteht. So erging es Marley – wobei unsere andalusischen Freunde in Sevilla sofort dafür sorgten, dass er in eine Pflegefamilie ziehen durfte, um ihm die Erfahrung Gitterwelt zu ersparen. Schon nach vier Tagen (!!!), in denen Marley mal etwas Zuneigung, Führung und aufrichtiges Interesse erfahren durfte, zeigt er sein wahres Wesen. Er spielt mit seinen Mitbewohnern, ist aufmerksam und gelehrig, genießt Streicheleinheiten und kann mit allem und jedem. Am liebsten tobt er im Garten und geht spazieren, für jeden neuen Eindruck dankbar und in seiner Lernfreude fast nicht zu bremsen. Marley wird im September 2015 mit nach Deutschland reisen, um dort in eine Pflegestelle zu ziehen, falls er bis dahin nicht sowieso schon Fans gefunden hat, die ihm ein richtiges Zuhause schenken wollen. Letzteres wäre natürlich die Ideallösung. Der fidele Herzensbrecher möchte noch viel entdecken und verstehen und er braucht Menschen, die bereit sind, ihm die Welt zu erklären. Marley ist ein kleiner Hund, aber er ist ein ganzer Kerl und ein Lebewesen, kein Stofftier. Wenn seine Familie das weiß und beherzigt, steht Ihnen (und Marley) ein wundervolles Hundeleben ins Haus, mit Spiel, Spaß und Abenteuer und dem Glück für den smarten Charmeur, endlich endgültig daheim angekommen zu sein!